Wenn wir schon die „totale Inklusion“ für jeden Trend predigen, dann sollten wir konsequenterweise auch ein Herz für die bedrohte Spezies derer haben, die tatsächlich noch eine eigene Meinung besitzen und – man wage es kaum auszusprechen – ein analoges Leben führen wollen.
Rettet die Exoten – Inklusion für Menschen mit eigener Meinung und Analog-Fetisch
Willkommen in der wunderbaren neuen Welt, in der „Freiheit“ bedeutet, dass man sich aussuchen darf, ob man von META oder Apple überwacht wird. Wir sind ja eigentlich Technik-Fans, aber wenn wir uns anschauen, wie die „digitale Inklusion“ in der Schweiz gerade gefeiert wird, müssen wir uns fragen: Wo bleibt eigentlich die Inklusion für die Leute, die nicht jedes Mal ihr Smartphone zücken wollen, um eine Kaffeemaschine zu kaufen oder ihren Kontostand zu prüfen?
In Tat und Wahrheit ist es die systematische Ausgrenzung all jener, die sich weigern, ihr Hirn an der Garderobe eines Silicon-Valley-Konzerns abzugeben. Wer nicht spurt, wird im digitalen Regen stehen gelassen. Inklusion sollte eigentlich bedeuten, dass niemand zurückgelassen wird – doch in der Realität wird das Smartphone zum digitalen Passierschein für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Wer diese Hürde nicht nimmt, ist kein Teil der Lösung, sondern ein Problem, das wegdigitalisiert werden muss.
Der „App-Zwang“: Fortschritt durch Nötigung
Nehmen wir das Beispiel einer Bank aus der Nordwestschweiz. Dort nennt man es «Kundenservice 2.0», wenn man für den Luxus eines physischen Tokens satte 35 CHF berappt. Man wird sanft, aber bestimmt in die App-Abhängigkeit gedrängt, und wer auf seine digitale Souveränität pocht, erhält die Quittung direkt aufs Konto. Dass man für diesen zweifelhaften Fortschritt auch noch zur Kasse gebeten wird, ist der Gipfel der strategischen Frechheit.
Dass man dafür eventuell ein neues Smartphone mit Kryptoprozessor braucht, ist natürlich nur ein winziges Detail für die „digitale Souveränität“ – wer kein Geld für das neuste iPhone hat, ist halt… nun ja, weniger „inkludiert“.
Die E-ID: Endlich ein gläserner Bürger sein!
Bald dürfen wir uns in der Schweiz auf die E-ID freuen. Ein Versprechen für „nahtlose Prozesse“. Wobei „bald“ beim Bund bekanntlich ein extrem dehnbarer Begriff ist. Wie muula.ch kürzlich süffisant anmerkte, schlampt der Bund seit über zehn Jahren bei seinen IT-Projekten und versenkt dabei Steuergelder in gigantischem Ausmass, ohne dass am Ende ein nennenswerter Nutzen herausschaut. Aber klar, diesmal wird alles anders.
Das EJPD hat nämlich völlig überraschend festgestellt, dass es so etwas wie künstliche Intelligenz und Deepfakes gibt – wer hätte das gedacht? – und verschiebt den Termin für die E-ID erst einmal nach hinten, um die „Sicherheit zu erhöhen“. Kritiker murmeln zwar etwas von Überwachung und dem Verlust des Rechts auf ein analoges Leben, aber hey – wer braucht schon Privatsphäre, wenn man sich dafür „sicherer und schneller“ identifizieren kann? Falls es denn jemals funktioniert, denn laut der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) fehlen bei Bundes-IT-Projekten oft sogar grundlegende Methoden zur Nutzenmessung; man wurstelt sich also eher blind durch die digitale Transformation.
Es ist fast schon rührend, wie der Staat versucht, uns die dezentrale Speicherung als „Selbstbestimmung“ zu verkaufen, während gleichzeitig die Infrastruktur für private Dienstleister geöffnet wird. Man spricht hier sogar hochtrabend von einer „Vertrauensinfrastruktur“, die – ganz egal, wann die eigentliche E-ID kommt – voraussichtlich ab 2027 den Betrieb aufnehmen soll. Vertrauen in eine Verwaltung, die laut muula.ch seit einer Dekade wesentliche Mängel in der Projektführung vor sich her schiebt und Kritik einfach mit Hinweisen auf „andere erfolgreiche Projekte“ abtut, ist natürlich genau der Humor, den wir jetzt brauchen. Inklusion bedeutet hier wohl: Jeder darf mitmachen, ob er will oder nicht – und wir alle zahlen die Zeche für die milliardenschwere IT-Schlamperei.
AGOV und der Google-Kniefall: Niemand entkommt – vom Anwalt bis zum Arbeitslosen
Wer dachte, die E-ID sei das Ende der digitalen Sackgasse, hat die Rechnung ohne AGOV gemacht – den neuen Behörden-Login, der uns alle (wirklich bald alle!) glücklich machen soll. Wer nämlich glaubte, Datenschutz sei ein Privileg für Leute mit Job, der hat sich geschnitten. Wie wir schmerzlich feststellen müssen, macht der Digitalzwang vor niemandem halt: Ob Sie nun als Rechtsanwalt in Zürich über die Plattform justitia.swiss Ihre Brötchen verdienen müssen oder beim RAV gemeldet sind und lediglich versuchen, nicht zu verhungern – am Ende führt kein Weg an der AGOV-App vorbei.
Besonders amüsant wird es für diejenigen, die tatsächlich versucht haben, ihre Privatsphäre durch GrapheneOS zu schützen – eine Android-Alternative, die konsequent auf Google-Dienste verzichtet. Wie Steiger Legal messerscharf analysiert, schaut man dort nämlich in die digitale Röhre. Die offizielle Begründung der „Digitalen Verwaltung Schweiz“ ist an Realsatire kaum zu übertreffen: Die AGOV-App braucht zwingend die Google Mobile Services (GMS) und die Google Play Integrity API, um unsere Sicherheit zu „garantieren“.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Um die Sicherheit unserer staatlichen Daten zu gewährleisten, wirft uns der Bund direkt in die Arme eines US-Datenkraken. Das ist so, als würde man den Fuchs zum Sicherheitschef des Hühnerstalls ernennen, weil er die besten Nachtsichtgeräte hat. Für GrapheneOS-Nutzer bleibt die App „vollständig blockiert“.
Ein Schnäppchen-Tipp für Arbeitslose: Für nur ca. 26 Franken können Sie sich alternativ einen FIDO2-Sicherheitsschlüssel (wie einen YubiKey) zulegen. Inklusion auf Schweizerisch bedeutet eben: Jeder darf mitmachen, solange er bereit ist, entweder seine Prinzipien, seine Daten oder sein letztes Sackgeld für zusätzliche Hardware opfern. Ein Hoch auf die „Vertrauensinfrastruktur“, die ohne die Gnade von Mountain View gar nicht erst den Motor anwirft!
Warum „Bauchgefühl“ mehr wert ist als jeder Algorithmus
Wir haben eine Entdeckung gemacht: Unsere digitale Website war nie der Grund, warum Kunden zu uns kamen. Es war – man höre und staune – das Vertrauen, persönliche Empfehlungen und unser Bauchgefühl. Während KIs versuchen, unser „Seelenprofil“ zu erstellen, um uns den nächsten Rabatt in Echtzeit unterzujubeln, mutieren wir schleichend zu perfekt steuerbaren Konsum-Zombies.
Lernen Sie, Ihr Bauchgefühl wieder über jeden Algorithmus und jede Push-Benachrichtigung zu stellen. KI-Systeme versuchen, Ihre Entscheidungen vorhersehbar und damit manipulierbar zu machen. Indem Sie bewusst unlogische, rein analoge und spontane Entscheidungen treffen, bewahren Sie sich eine psychologische Unabhängigkeit, die kein Programm knacken kann. Echte Barrierefreiheit bedeutet in diesem Kontext, den Zugang zu Ihrem Bewusstsein für digitale Manipulatoren zu sperren und die Hoheit über Ihre Aufmerksamkeit zurückzugewinnen.
DIY-Guide: Digitale Selbstverteidigung für analoge Rebellen
Wenn Sie nicht als Datenfutter enden wollen, müssen Sie aktiv werden. Hier ist Ihre detaillierte Anleitung für die Rückkehr zur Vernunft und zur individuellen Souveränität.
Die Sistierung unnötiger App-Abhängigkeiten
Der erste Schritt zur Freiheit ist die konsequente Sistierung aller Prozesse, die Ihnen einen App-Zwang aufdrücken wollen. Identifizieren Sie jeden Dienst in Ihrem Alltag, der behauptet, er funktioniere «nur noch digital» oder biete «exklusive Vorteile» via Smartphone. Gehen Sie stattdessen den Weg des grössten Widerstands für den Algorithmus: den Schaltergang. Besuchen Sie die Poststelle oder die Bankfiliale persönlich.
Ob es die Post, die Bank oder die Versicherung ist – fordern Sie kategorisch physische Dokumente ein. Wenn eine Firma behauptet, dass App-Abhängigkeiten alternativlos seien, ist das eine strategische Lüge zur Kostenoptimierung auf Ihrem Rücken. Erledigen Sie Ihre Geschäfte manuell, unterschreiben Sie mit Tinte auf Papier und lassen Sie das Smartphone in der Tasche. Verweigern Sie den Download von QR-Code-basierten Menükarten im Restaurant und fordern Sie eine gedruckte Version – Ihre Daten zur Essenswahl gehen niemandem etwas an.
Analoge Redundanz aufbauen
Sie müssen eine analoge Redundanz in Ihrem Leben aufbauen, um gegen Systemausfälle und staatliche Überwachung gewappnet zu sein. Ein digitales System, das man nicht abschalten kann, ist kein Werkzeug, sondern ein Käfig. Drucken Sie wichtige Verträge, Rentenbescheide, Versicherungspolicen und Identitätsnachweise konsequent aus. Lagern Sie diese Dokumente sicher und trocken im Estrich, statt sie in einer Cloud verschimmeln zu lassen, auf die Sie bei einem Netzausfall keinen Zugriff haben.
Sollte der Algorithmus einmal gegen Sie entscheiden oder die digitale Identität gesperrt werden, bleibt Ihr physisches Archiv unangreifbar. Ihr Velo ist in diesem Szenario das sicherste Fluchtfahrzeug, da es weder GPS-Tracking noch Remote-Abschaltung oder Software-Updates kennt. Ein gut sortierter Estrich ist immun gegen Hackerangriffe und Cyber-Kriege. Diese Form der Redundanz ist Ihre ultimative Lebensversicherung in einer Welt, die alles flüchtig und kontrollierbar machen will.
Die Offerte der Freiheit
Sehen Sie jede Interaktion mit Dienstleistern als eine Offerte Ihrer kostbaren Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn die Bank Ihnen 35 CHF für einen physischen Token abknöpfen will, treten Sie als Service-Rebell auf. Gehen Sie zum Berater und verlangen Sie eine schriftliche Offerte, die Ihre Treue als langjähriger Kunde ohne digitale Nötigung wertschätzt. Drohen Sie offen mit dem Abzug Ihres Kapitals, denn Geld ist die einzige Sprache, die diese Strategen verstehen.
Machen Sie unmissverständlich klar, dass Ihre Freiheit und Ihre Privatsphäre nicht verhandelbar sind. Wenn die Bank nicht einlenkt, wechseln Sie das Institut konsequent – es gibt immer noch Nischenanbieter, die den persönlichen Kontakt und analoge Sicherheit als Premium-Feature schätzen. Nutzen Sie Ihre Marktmacht als mündiger Konsument, um den digitalen Hürdenlauf zu boykottieren. Eine Offerte, die nur unter der Bedingung der totalen digitalen Überwachung gilt, ist keine Chance, sondern eine Drohung, die Sie ablehnen müssen.
Psychologische Barrierefreiheit
Echte Barrierefreiheit beginnt nicht beim Rollstuhllift, sondern im Kopf. Sie müssen Ihre psychologische Widerstandskraft gegen KI-gestützte Manipulation und Nudging-Taktiken massiv trainieren. Wenn Ihnen eine App im Supermarkt oder beim Eintritt ins Spital einen Echtzeit-Rabatt anbietet, der nur für die nächsten zehn Minuten gilt, ignorieren Sie ihn aus Prinzip. Diese Angebote sind Köder, um Ihr Verhalten in Echtzeit zu steuern, Ihren Konsum zu erhöhen und zu analysieren.
Ein Hoch auf die analogen Rebellen
In einer Zeit, in der KI-Assistenten uns das Denken abnehmen und Algorithmen entscheiden, was wir lesen sollen, ist die Entscheidung für den persönlichen Kontakt fast schon ein Akt des Widerstands.
Echte Inklusion bedeutet für uns, dass Ihr Unternehmen auch für die Menschen erreichbar bleibt, die keine Lust auf den digitalen „Hürdenlauf“ aus Kundenkonten und App-Updates haben. Vertrauen lässt sich nicht programmieren, und ein Handschlag braucht kein Universal Commerce Protocol.
Vielleicht sollten wir uns öfter mal an „V wie Vendetta“ erinnern: Das Volk sollte sich nicht vor seiner Regierung oder seinem Algorithmus fürchten – sondern umgekehrt. Bleiben Sie kritisch, hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und vergessen Sie nicht:
Der Computer ist ein Hilfsmittel, kein Vormund.
Quellen:
